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Berlin: Suizid vor dem Reichstagsgebäude am GlobalNoiseTag

Tief berührt von der Nachricht über diesen Suizid vor den Stufen des Reichstages, möchten wir seinen Angehörigen und Freunden unser aufrichtiges Beileid aussprechen. Unsere Gedanken begleiten Euch durch diese Zeit – wertfrei, aber in Liebe.

Suizid vor dem Reichstag am 13. Oktober 2012Rest In Peace

Die offizielle Presse präsentiert uns eher beiläufig unter „Vermischtes“ die Tickermeldung, dass sich am 13. Oktober 2012 vor den Augen zahlreicher Touristen ein 32jähriger Reinickendorfer in Tiergarten auf dem Platz der Republik das Leben nahm. Maximal erwähnt wird der eher spektakuläre Tathergang: Gegen 12 Uhr 45 stand er direkt vor den Stufen in Höhe des Haupteinganges, übergoss sich mit Brennspiritus und zündete sich selbst an. Als das nicht funktionieren wollte, stach er sich ein Messer direkt in die Lunge.


„Work. Consume. Be Silent. Die.“

Während von Wachdienst und Passanten alarmierte Rettungskräfte vergeblich versuchen, den schwer verletzten jungen Mann zu reanimieren, demonstrieren Occupyer unter diesem #130-Motto in Frankfurt am Main.

Der Berliner Polizeisprecher Martin Dams lässt uns wissen: Bei dem Mann wurde ein Abschiedsbrief gefunden. Der Grund für den Suizid liege im persönlichen Bereich. Zynismus macht jetzt Presse, die verbal den Spieß umdreht und mit Nachdruck betont: Ein politisches Motiv schließt die Polizei aus.

Der Google Index-Marker liegt bei 56. Das ist Nichts. Dabei kann jeder, der will, sich binnen 15 Minuten in die Identität dieses Mannes einlesen oder reinklicken. Der Google-Index wird sich dennoch auch über 24 Stunden nach der Tat nicht ändern. Statt dessen führen sich vorhandene Presseberichte – in aller Stille aktualisiert – selbst ad absurdum: Während Redaktion A diesem Mann wenige Monate zuvor noch zum Abitur gratuliert, erzählt Redaktion B vom selben Verlag etwas verhalten im ominösen Konjunktiv. Es hat den Anschein, als würde man die gesamte Sozialpolitik in die private Verantwortlichkeit von Individuen verrücken. Hoffentlich gibt es gute Gründe dafür, wenn sein Abschiedsbrief nicht wie im Falle von Dimitris Christoulas veröffentlicht wird.

Seit 1997 gibt es die Richtlinie des Deutschen Presserats zur Berichterstattung über Suizidenten: „Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände. Eine Ausnahme ist beispielsweise dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handelt.“ Der Pressekodex hat keine bindende Wirkung. Und die Chefredaktion der BILD macht wahrhaftig keinen Hehl daraus, dass ihre Redakteure „mitunter das Berichterstattungsinteresse deutlich höher einschätzen als der Presserat.“ Dies werde „in Grenzfällen immer so sein“.

Weil wir genau das alle wissen, wundert es umso mehr, wenn an diesem Wochenende die sonst so spitzen Bleistifte inhaltlich über die Tickermeldung nicht hinaus gehen wollen. Kein mediales Black-Out, sondern nur ein Seufzer. Die Presse bläht zwar die von der Polizei genannte kleine Gruppe von Touristen vorwurfsvoll in eine Menschenmasse auf, die sich der Bilder nicht entziehen konnte, lässt jedoch die Rufnummern der Berliner Hilfsdienste unerwähnt, die sofort seelsorgerisch zur Verfügung standen. Den Sachverhalt betreffend unterliegt die Presse der Angst vor dem sog. “Werther-Effekt”: die Angst vor Nachahmern.

Dabei liegt im Werther-Effekt ein Paradox begraben: Wenn ich den “Freitod” als freie Entscheidung von Subjekten verstehe, fördere ich einen Effekt, der dieselben Subjekte zu willenlosen Objekten macht. Man kann auch diese Medaille umdrehen und zum Schluss kommen, die Gesellschaft pathologisiere Vorstufen der Selbsttötung, um schlicht und ergreifend mit dem Phänomen leichter klar zu kommen. Denn es ist dieselbe Gesellschaft, die sich im Falle von “Fremdtötungen” verdammt schwer damit tut, pathologische Begründungen zu akzeptieren und viel lieber von der vollen Schuldfähigkeit, sprich vom Mindestmaß an Selbstbestimmung ausgeht.

Ein schönes Beispiel aus der Soziologie besagt, Mode beeinflusst statistisch nachweislich dein Einkaufsverhalten, aber sie nimmt dir nicht die Freiheit, dich für oder gegen den lindgrünen Blazer mit den drei Knöpfen zu entscheiden.

Realiter haben wir es mit einem Kontinuum zwischen Freiheit und Fremdsteuerung zu tun. Fakt ist und bleibt, dass wir immer die Freiheit haben, uns mit äußeren Einflüssen auseinanderzusetzen. Aber haben wir auch immer die Kraft? Bleibt die Frage, warum wieviele wann welchen Einflüssen unterliegen.

Der dermaßen tabuisierte Suizid lässt es weiter herrschen, das Schweigen der Lämmer. Das setzt sich bei denen fort, vor deren Haustüre die Tragödie geschehen ist. Kein Wort der Trauer, keine des Trostes, kein Kranz. Wieso auch? Passiert sonst auch, überall, mitten unter uns, alle 47 Minuten.

Ein Grund mehr dafür, dass sich unter anderem die Kommentatoren der unterschiedlichsten Blätter und Portale nicht entblöden, den Menschen hinter der Tat und den Tatort zu bewerten. An der Stelle unüberlesbar: Wir sind in unserer Gesellschaft ganz weit entfernt von der wertfreien Begegnung unserer Mitmenschen, wie sie Satir empfiehlt.

Die Kraft, die dieser Mensch gezielt zur offenen Selbsttötung aufgebracht hat, und dass wir als Gesellschaft versagt haben, weil wir mit steigender Tendenz solche Potentiale verkennen und verkommen lassen, der Zusammenhang ist so nahe liegend, dass er nur noch von wenigen wahrgenommen wird. Die trauern – wie die Hinterbliebenen um den Sohn, Bruder, Cousin, Freund – um die Ehrfurcht vor dem Leben.

So wie wir Menschen nicht nicht kommunizieren können, so ist der Suizid als letztes Signal im Diesseits immer ein multifaktorales Geschehen. Das Zusammenspiel von Innen- und Außenfaktoren findet immer statt, denn der Suizid ist vor allem eine Störung in der Beziehung Individuum und Gesellschaft. Den Vorgang apriori auf seine psychoanalytische Motivation reduzieren zu wollen, ist die klare Abwälzung der Gesellschaft auf das Individuum. Die Tabuisierung durch die Presse verschleiert zudem die Verantwortungslosigkeit, der sich am Ende niemand stellen will.

„In was für einer Gesellschaft wollen Sie leben?“, fragte einst die Stiftung für Zukunftsfragen für “die Gesellschafter” in Zeiten der Wirtschaftskrise. Die Antwort ist denkbar einfach: In einer Gesellschaft, in der so etwas, wie am 13. Oktober 2012 vor den Stufen des Berliner Reichstages, nicht passiert.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend den Berliner Krisendienst (030-390 63 10) oder die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Anmerkung der Redaktion:


Mit Datum vom 16. Oktober 2012 hat die Oberhessische Presse im oben verlinkten Artikel von Kristina Gerstenmaier das Bildmaterial sowie den Videobeitrag, in dem Marius nur wenige Tage vor seinem Suizid aufgetreten ist, entfernt. Diese Löschung mag auf rein redaktionellen oder persönlichkeitsrechtlichen Gründen basieren. In jedem Fall wird es der Öffentlichkeit unmöglich gemacht, sich ein Bild des Studenten zu machen, ihn persönlich zu hören und zu sehen.

Mit der Löschung geht die Veröffentlichung dieses Artikels einher: Marburger Student zündet sich an. In diesem zeitlich nachgezogenen Artikel wird ebenfalls der Tathergang falsch herum beschrieben, so wie ihn viele Redaktionen vom Polizei-PR-Ticker übernommen hatten, dessen Meldung jedoch unüberhörbar nicht der Aussage von Polizeisprecher Martin Dams gegenüber dem RBB entspricht.

Zusätzlich zertreut der Verfasser Manfred Hitzeroth das Kriterium der womöglich politisch motivierten “Verzweiflungstat” mit der Aussage, Marius habe bezüglich seines Studiums einen sehr zufriedenen Zustand hinterlassen und spielt mit Begriffen wie Partnerin, Berlin und Fernbeziehung seine Privatsphäre ein, und nur die soll gemäß Polizei-PR-Ticker vom 13. Oktober 2012 um 14.15 Uhr für die Tat verantwortlich sein. Die Polizei ist es selbst, die den Tathergang unterschiedlich beschrieben hat. Es ist unsere Presse, die dies in weiten Teilen unhinterfragt im Raum stehen lassen wird.

16. Oktober 2012:

Ute Donner: marius s., der sich am 13o, dem globalnois-tag öffentlich vor dem reichstag verbrannt hat, war aktivist, ein politisch denkender mensch, und er war im vorigen jahr beim zeltmarsch in berlin dabei. wenn es jemanden gibt, der noch mehr über marius weiß, wär es schön, wenn wir etwas aus seinem leben zusammenfassen und an die öffentlichkeit bringen könnten. wir sind es ihm schuldig.
danke.

Aktion: Ute Donner

Vor dem Berliner Reichstag hat sich am 13.10.12, dem GlobalNoise-Tag, ein Mann das Leben genommen. In den Medien wurde übereifrig betont, dass der Freitod keine politische Handlung war. Ute Donner fordert die ganze Wahrheit.

Rest In Peace

17. Oktober 2012:

Polizei und Presse unterlassen es, weder die sich aufgrund ihrer eigenen Darstellungen ergebenden Widersprüchlichkeiten zu klären noch die Depublikation der Beiträge in der Oberhessischen Presse zu erklären. Stattdessen wird die Aufmerksamkeit medial auf das 16 Stunden später an den Folgen verstorbene Prügelopfer vom Alexanderplatz gelenkt. Wenn Blumen- und Kerzenmeer gezeigt werden, dann vom Alex. Der jetzt in Serie und artikelweise erscheinende Ruf nach mehr Überwachung ist ebenso unüberlesbar wie die quälende Frage nach dem “Warum?”. Denen, die diesen Spuk wahrnehmen, drängt sich nur noch eine Frage auf: „Was soll das?“

Aktion: Agora Tutti“Platz der Republik” vor dem Reichstag in Berlin: Kein Ort für politische Botschaften?

Die Antwort von ZeroHedge: Naturally the last thing Germany needs is a political suicide at a time when Angela Merkel is being booed not only in Athens but in Stuttgart, which is why the immedaite explanation was one of "personal reasons."

Unsere am Ende mehr als verhaltene Reaktion als in der Summe denkende, handelnde und fühlende Gesellschaft auf den Suizid am nationalen Machtzentrum erklärt der politfiler mit Unsere eigenen Tränen der Wut, der Resignation und Hilflosigkeit gegenüber unserem selbsternannten Systemzwang, sind wie ein starkes Valium und Narkotikum, das jeden Schmerz durch das erblickte Elend in unserer Gesellschaft, einfach abstellt und erträglich macht.

Es bleibt Aufgabe der Polizei zu ermitteln, warum er sich in der Frühe noch für den Abend verabreden möchte und nicht zu einer der drei angekündigten Demos geht. Stattdessen macht sich Marius zwei Stunden später mit Spiritus, Messer und Abschiedsbrief auf seinen letzten Weg. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nur eines sicher, „dass jemand, der seinen Tod in aller Öffentlichkeit plant und dabei den Reichstag als Bühne des Dramas wählt, für die politischen Entscheidungsträger nur tiefste Verachtung empfindet.“, meint dieser Blogger.

18. Oktober 2012:

Der Druck auf Ute Donners Facebook-Pinwand wächst. Man möge doch erst einmal die Ermittlungen abwarten. Was die Ermittlungen mit der öffentlichen Trauerarbeit zu tun haben, bleibt unbeantwortet. Es sieht eher von allen Seiten danach aus als wolle man den Diskurs aus der Öffentlichkeit vollständig eliminieren. Damit Leute mit ihrer Trauer nicht alleine auf der Strecke bleiben und/oder seinen Hinterbliebenen sowie Freundinnen und Freunden seine Anteilnahme ausgesprochen werden kann, haben wir unter URL http://www.kondolenzbuch-online.de/cgi-bin/2012/books/000257.pl ein Kondolenzbuch eingerichtet.

20121018marsimon4Hashes: #Kondolenzbuch #marius #reichstag #130

19. Oktober 2012:

Marius stirbt den zweiten Tod, nach dem physischen vom 13. Oktober folgt der soziale. Konnte der erste schon nicht in seinem Umfeld verhindert werden, so ergibt sich der zweite aus dem sozialen Spannungsfeld, weil man auf der ungeklärten Motiv-Ebene verharrt.

Ganz wild gewordene, meinen ernsthaft diese Frage aufklären zu müssen. So schreibt Occupy99 im unten verlinkten Trackback von einer Selbsthinrichtung und schlussfolgert:

Laut wird nun der Aufschrei der Politaktivisten aus ganz Deutschland. Man fordert eine Veröffentlichung des besagten Abschiedsbriefes. Hierbei gingen unter anderen diverse Anfragen bei der Bundestagsfraktion “Die Linke” ein. Aktivisten der Occupy Bewegung baten die Fraktion, sich für die Veröffentlichung einzusetzen.

Unser herzliches Beileid gilt der Familie und den Freunden des Opfers.

EK

Abgesehen davon, dass weder seitens AtaSe noch von Ute Donner irgendwo gefordert wird, der Abschiedsbrief solle veröffentlicht werden, entzieht es sich unserer Kenntnis, wer bei der Fraktion der Linken mit dieser Forderung vorgesprochen hat. Ebenso ist die Aussage “Der 32 jährige Marius S. aus Reinickendorf richtete sich selbst öffentlich vor mehreren Augenzeugen hin.” absolut realitätsfremd. Denn aus welchen Gründen Marius diese Tat auch immer begangen hat, wir alle kennen sein Vorbild: Mohamed Bouazizi, der tunesische Gemüsehändler, dessen Selbstverbrennung am 17. Dezember 2010 in Sidi Bouzid der unmittelbare Auslöser für die Revolution in Tunesien 2010/2011 war. Die Tat führte nach 23 Jahren Herrschaft zum Sturz von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali und löste den Arabischen Frühling aus. Dieser Frühling ist gemäß Occupyern das, worauf 99% in Deutschland warten!

Bouazizi lag über zwei Wochen schwer verletzt im Krankenhaus und erlag am Ende seinen Brandverletzungen. Marius wollte null Risiko eingehen: Nicht nur der Griff zum effizienteren Brennstoff, sondern auch das Messer, mit dem er im Affekt zielsicher hantierte. Insofern hat er sich sicherlich nicht hingerichtet, sondern dem Ereignisort „Reichstag“ entsprechend „dem deutschen Volke“ geopfert. Seine Stimme hat Marius am GlobalNoiseDay Stunden vorher erhoben. An derselben Stelle soll er laut Augenzeugenbericht von jemandem, der mit Freunden aus Bad Salzdetfurth nach Berlin angereist war und der die Tat gemäß Youtube unzweifelhaft live erlebte, Stunden vorher geschrien haben: „Deutschland alles Nazis. Keine Wohnung. Hier werden die Gesetze gemacht. Ich habe keinen Bock mehr. Ich mach Schluss.

Marius war ein sympathischer und beeindruckender Mann. Sein Theaterauftritt beim Abiabschluss ist vielen in sehr guter Einnerung. Er hatte eine Inszenierung seiner selbst Willen nicht nötig. Wenn vor Publikum, dann wegen dem Effekt, seine Selbsttötung vor dem Reichstagsgebäude nicht aus der Öffentlichkeit heraushalten zu können. Damit hat er sich verschätzt: Man stelle sich die deutschen Medien vor, wenn so etwas außerhalb von Europa passiert. Dann sind die Blätter doch eine Woche lang voll. Moskau, Roter Platz? Zwei Wochen. Aber, bitte, doch nicht vor der eigenen Haustür…

Mit seinem Entschluss hat Marius den deutschen Frühling nicht herbeirufen können, auch nicht am legendären GlobalNoiseDay #130. Vielmehr hat er denen, die symbolisch an der Schaltzentrale der Macht sitzen, einen ordentlichen Schrecken eingejagt, dass sich der deutsche Frühling ankündigen könnte.

Immerhin waren am 13. Oktober 2012 um 15.00 Uhr ca. 6.000 Menschen in drei aufeinander stoßenden Demonstrationszügen auf dem Weg in die richtige Richtung. Hat das irgend jemand in den Medien wahrgenommen? Nein, Du musst dich in unserem Land schon selbst bewegen! Nachsehen ist auch nicht, denn im Zweifelsfall wird gelöscht. Im Fall des Videoberichtes der Oberhessischen Presse war es unter anderem Marius’ Aussage, wie es sich anfühlt, wenn das Geld mit jedem Tag knapper wird. Aber das will und soll offensichtlich keiner wirklich wissen, ebensowenig wie die Umstände von seinem Tod.

Damit steht der Entschluss von Ute Donner, die Aktion „umbrella peace art – menschenrettungsschirme“ mit Marius’ Suizid einzustellen:

die aktion umbrella peace art - menschenrettungsschirme gibt es nun seit dem 4. april 2012.

grund dafür war der öffentliche hungerstreik iranischer flüchtlinge in würzburg sowie der öffentliche selbstmord des griechen dimitris christoulas. weil sich immer mehr menschen öffentlich umbringen, wollten wir ein zeichen setzen für mehr menschlichkeit und darauf aufmerksam machen, dass nicht banken, sondern menschen rettungsschirme benötigen.

am 13. oktober waren wir ein letztes mal mit unseren schirmen auf der straße - bei der globalnoise-demo.

während dieser demonstration hat sich ein mensch, der auch aktivist ist, einer von uns, öffentlich in berlin vor dem reichstag umgebracht. für uns der anlaß, die aktion zu beenden.

wir sprechen seinen angehörigen und freunden unser tief empfundenes beileid aus.

Echte Demokratie jetzt hat Umbrella Peace Art – Berlins Foto geteilt und kommentiert Utes Entschluss mit Rilke:


„Und manchmal, während wir so schmerzhaft reifen,
dass wir beinahe daran sterben,
erhebt sich aus allem,
was wir nicht begreifen,
ein Gesicht und sieht uns strahlend an.“

Rainer Maria Rilke
(*4. Dezember 1875; †29. Dezember 1926)

Auch AtaSe stellt mit einem Epilog von Rilke die Berichterstattung ein zu Berlin: Suizid vor dem Reichstagsgebäude am GlobalNoiseTag. Wir trauern um einen jungen Aktivisten, dessen Tod uns erschüttert. Möge er eine immerwährende Mahnung für mehr Menschlichkeit sein. Eine andere Welt ist möglich – eine mögliche Welt ist anders. Marius letzter Auftritt veranschaulicht uns, wie weit wir davon entfernt sind. 1.295 Menschen vor ihren 1.295 Rechnern können zu diesem Zeitpunkt nicht sagen: Davon habe ich nichts gewusst.

R.I.P.

P.S.: Neun Tage später wird die Presse über die Trauerfeier für totgeprügelten Jonny K. berichten. Über Marius S.? Kein Wort. Die letzte Kondolenz lautet bisher: Das ist nicht die Sonne, die untergeht, sondern die Welt, die sich dreht.

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Kommentare
  • Michael
    Kommentar #1878 vom 22. Oktober 2012 at 09:28

    Altruistischer Suizid, Suizid von Menschen, die in (unsere) gesamtgesellschaftliche (Un-) Sozialstruktur integriert sind und ihr Leben bewußt für das Wohlergehen anderer bzw. für die Gesellschaft, für die Veränderung opfern, Selbstverbrennungen aus Protest gegen Krieg, für die Freiheit eines Landes, für Veränderung, für mehr gesellschaftliche Fairness, gesellschaftliches Gleichgewicht oder um eine politische Botschaft zu senden, wissentlich mit höchstem Mut geben. Mich beschäftigt dieser Suizid nun seit 1 Woche. Der Reichstag soll kein Ort politischer Botschaften sein? Ja was ist er denn dann? Ein Ort politischer Shows, ein Ort von Massenverkasperungen der sich darin befindlichen an den Menschen? Jeden Morgen unter der Dusche denke ich über Übergießung mit brennbarer Flüssigkeit, darüber nach welchen Mut es kostet, sich selbst zu opfern, sei es auf den Stufen des Reichstages, am Kreuz, oder auf einer Veranstaltung auf der man mit einer Kugel rechnen muss, mit einer rechten Bombe rechnen muss. Denke darüber nach, wie die Bedrohung der eigenen Kinder auszuhalten ist, wie es zu überwinden sein wird, wenn die eigenen Kinder entführt oder getötet werden, weil Mächtige damit Druck erhöhen wollen. Denke nach über Funktionsweisen von Mafiagesellschaften, Parallelen zwischen unserer Klassengesellschaft und Mafiagesellschaftsformen. Denke nach über einen der Unsrigen, der sein Leben gab, und damit wirkt. Wirkt so dass wir es – jetzt – hören. Wenn auch viele von uns, von dieser Welt es nur in Ansätzen hören, oder gar sagen sie wollen es nicht hören.

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  • Hartmut Hinrich Grotheer
    Kommentar #1879 vom 22. Oktober 2012 at 16:00

    Warum. Ja das Fragen wir uns Alle.

    Es sollte für mich ein schöner Berlin Aufenthalt werden. Mit Freunden Gemeinsam was Unternehmen, Es War Strahlenblauer Himmel Sonnenschein. Es wehte ein kleines Lüftchen. Ich stand an mein Roller und Anhänger neben den Hänger Saß mein Treuer Begleiter Don. An Bundestag Schrie ein Mann. (..)Deutschland Keine Wohnung hier werden die Gesetze Gemacht, ich habe kein Bock-mehr Als ein Mann an mir vorbeilief. Hatte er eine grüne Flasche in der Hand. Ich Konnte auf der Grüne Flasche ein Zelt drauf Abgebildet. Ich kannte die grünen Flaschen von meinen Campingausflügen. Er Lief Richtung Reichstagsgebäude. Ob diese Schilderung zu den Fall gehört, möchte ich nicht behaupten.

    Es muss gegen 12:40. gewesen sein. Wo sich ein Mann versuchte, sich erst anzuzünden und dann stach er sich ein Messer in die Brust. Mir wurde ganz Sachdienlich. Sodass ich mich in mein Kraftanhänger reinlegte. Nach einer Weile kamen Meere Polizei Wagen, die neben mir an der Seite parkten. Der Ganze Bereich an Reichstag wurde abgesperrt..

    Bis heute ist es alles für mich wie ein Traum. So das die Erinnerung amtlich widerkehrt. So waren die ersten Tage schlimm. Immer wieder der gleiche Traum in den Nächten, wo ich kaum Schlafen konnte. Sobald ich an den Tag Denken musste, Kamen mir die Tränen. Warum musste das sein. Warum konnte keiner helfen, so das es gar nicht zu Suizid kam..

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    • Lieber Hartmut,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Mir sind Deine Schilderungen bereits auf anderen Blogs und in anderen Portalen aufgefallen.

      Eines ist jetzt ganz wichtig: Du solltest Dich selbst unterstützen lassen und vor einer Erinnerung, die Du nicht verarbeiten kannst, und deren Folgen schützen. Wende Dich bitte an eine Diakonie oder Notfallseelsorge in Deiner Umgebung, damit Du das Erlebnis wirklich verarbeiten kannst.

      Liebe Grüße
      Simone

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      • Hartmut Hinrich Grotheer
        Kommentar #1893 vom 5. November 2012 at 12:45

        Liebe @Simone Semmel
        Danke für deine lieben Worte!

        So lese ich immer wieder die Kommentare. So sehe ich mir auch immer die Videos an. Doch all die Fragen kann ich nicht beantworten. Es ist wie eine Leere in mir. Warum es mich an den Reichstag zog, weiß ich nicht. Eigentlich wollte ich mich zur Ansicht mit Freunden an der WeltUhr treffen, ich blieb am Bundestag stehen. So denke ich mal, es sollte so sein oder ich habe was unbewusst weggenommen.

        Ob es Gottes Wille war, kann ich nicht sagen. Aber nach meinem Empfinden, nach meiner Wahrnehmung war das so. Bei mir muss es die Wachheit ansprechen. So war rund um den Reichstag und Bundestag Polizei. Sowohl uniformiert als auch in zivil. Warum keiner was etwas unternommen hat, weiß ich nicht. Sie kamen mit mehreren Polizeiwagen, erst wie es zu spät war. Sie sperrten den Bereich ab. So gibt es auch Kameras, die den Bereich überwachen. Es gibt so viele Fragen, die keiner beantworten will oder nicht kann.
        Ging es so schnell, dass keiner eingreifen Konnte?

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  • KS
    Kommentar #1881 vom 24. Oktober 2012 at 14:20

    Ich finde diese Seite unerträglich. Hier wird ein tragisches Ereignis von Menschen, die wenig oder gar nichts über Marius wissen, ideologisch missbraucht. Das hat mit Kampf für eine gerechtere Welt nichts zu tun. Als engagierte Linke bin ich entsetzt,
    Karin S.

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    • DomiR.
      Kommentar #1883 vom 28. Oktober 2012 at 01:23

      Ich finde Ihre Haltung unerträglich. Die Debatte darum, dass wir Menschen überhaupt nicht kennen müssen, um das Geschehene nachzuempfinden, hatten wir doch schon auf Ute Donners Pinnwand. Auch da eine Karin S., die meinte, Ute solle sich mal nicht verrennen…

      Aber vielleicht können Sie es schlicht nicht begreifen: Wer sich links engagiert, spaltet alles von sich ab, was seiner eigenen Ideologie nicht entspricht. Das ist Ihr persönliches Problem und weder das der Menschen, die “wertfrei” das Geschehen und die Stimmen dazu schildern, noch derer, die sich an ihren Mitstreiter erinnern.

      Grundrechte sind keine Ideologie, sondern werden ideologisiert, wenn es zum Beispiel darum geht, Kriege im Kosovo, in Afghanistan und im Irak zu legitimieren.

      Es ist einfach nur widerwärtig, mit welcher Arroganz oder auch Ignoranz diesem Suizid teilweise begegnet wird.

      Dem wird nur die Kondolenz von Elisabeth Kuhnle aus Karlsruhe gerecht:

      Mit jedem Menschen verschwindet ein Geheimnis aus der Welt, das vermöge seiner besonderen Konstruktion nur er entdecken konnte, und das nach ihm niemand wieder entdecken wird.

      Friedrich Hebbel

      Mit jedem Menschen, der einen unnatürlichen, frühzeitigen, unnötigen Tod stirbt, stürzt die gesamte Menschheit ein Stück weiter ins Dunkel… wird der Ozean des Leids größer… verlieren wir, als Menschheit.

      Es gab nicht genug, was Dich, Marius, den ich nicht gekannt habe, im Leben hätte halten können, doch zuviel von dem, was Dich in den Tod getrieben hat. Du hast öffentlich gemacht, was so viele andere im stillen Kämmerlein oder im Dunkel der Nacht auf einsamen Schienen tun. Darum habe ich von Dir erfahren und dadurch einen weiteren Blick in die Abgründe unseres Gesellschaftssystems erhalten. Ein System anstelle einer Gemeinschaft… unmenschlich statt menschlich…

      Mögest Du in Frieden ruhen.

      Mein aufrichtiges Beileid an alle, die Marius in Freundschaft und Liebe verbunden waren.

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  • Slideshow aus von vor Ort entstandenen Bildern vom 18. Oktober 2012:

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  • Das Kondolenzbuch für Marius wurde vom Betreiber ohne Ansage gelöscht.

    Kondolenzbuch für Marius vom Betreiber ohne Ansage gelöscht

    Die Sache an sich ist schon unappetitlich. Aber der Versuch, Pietätlosigkeit zu toppen, scheint hier ungebremst abzulaufen. Für Stephan Rothe bzw Stero Webservice daher null Punkte und die rote Karte.

    Die vorhandenen Kondolenzen werden daher als PDF-Buch aufgearbeitet und online gestellt.

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