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Kirsten Heisig: Das Ende der Geduld

Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter

Während Millionen Menschen im Fußballfieber versunken der WM 2010 folgen, erscheint die prominente Jugendrichterin Kirsten Heisig nicht wie gewohnt im Dienst. Noch am 28. Juni hatte Heisig dem Verlag Herder (Freiburg) die letzten Korrekturen zu ihrem Erfahrungsbericht über den Kampf gegen jugendliche Kriminelle durchgegeben. Nach mehrtägiger Suche wird ihr Leichnam im Tegeler Forst entdeckt. Freitod. Der Verlag zieht das Erscheinungsdatum vom 13. September 2010 vor auf den 26. Juli 2010. Damit erscheint ihr Buch, das eine Gesellschaft mit weniger Gewalt thematisiert, auf den Tag genau vier Monate nach dem Tod von Mirna.

Angekündigt hatten Herder und Heisig das Werk als einen eher unspektakulären Erfahrungsbericht wiederkehrender Grundmuster von Gewalt unter Berücksichtigung der Situationen an Schulen, Jugendämtern und der Polizei. Heisig liefert Fakten und Lösungsvorschläge, wie z.B. die Vernetzung von Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt, Schulen, Behörden, Institutionen und Eltern funktionieren sollte. Dabei wirft sie auch einen vergleichenden Blick ins europäische Ausland. Was aber so nüchtern auf den Markt getragen wurde, schlägt dem Leser bitter ins Gesicht. Denn zwischenzeitlich erkennt selbst er, dass man nicht mehr in einer Großstadtmetropole dieses Landes wohnen muss, um “schleichende Brutalisierung” zu erfahren, es reicht schon das nähere Umland.

So warnt Heisig z.B. vor arabischen Drogen-Clans und fordert massive Anstrengungen im Kampf gegen kriminelle arabische Großfamilien. Sie beschreibt eine Drogenmafia, die gezielt Kinder und Jugendliche aus palästinensischen Flüchtlingslagern nach Deutschland schleuse. In Beirut würden sie in Flugzeuge gesetzt, müssten ihre Pässe bei Schleusern abgeben und meldeten sich bei der Einreise als staatenlos und asylsuchend. Die jungen Männern würden hier bei arabischen Großfamilien untertauchen und als Drogendealer angelernt, heißt es im Auszug, den „Der Spiegel“ vorab druckte. Der neueste Trend der Banden sei es, Jugendliche unter 14 Jahren heranzuschaffen, da sie strafunmündig seien. Die arabische Mafia habe den Handel mit harten Drogen in Deutschland fest in der Hand. Heisig fordert, bei der Einreise müsse viel konsequenter kontrolliert werden. “Was gegenwärtig geschieht, ist, wie in so vielen Bereichen, blankes Wegsehen und Herumlavieren.”

Nach ihren Erkenntnissen, so schrieb Heisig, gibt es bundesweit zehn bis zwölf arabische Großfamilien, die einige Tausend Menschen umfassen. „Eine Großfamilie bringt es ohne Probleme auf Hunderte polizeilicher Ermittlungsverfahren.“ Die Clans lebten ausschließlich nach ihren Gesetzen, die Kinder würden weitgehend unkontrolliert in kriminellen Strukturen aufwachsen. Die männlichen Mitglieder seien massiv zu Gewalt bereit. Die Wahrung der Familienehre sei oberstes Gebot: „Wer die eigenen Leute an die Deutschen verrät, riskiere sein Leben.“

Auf sämtlichen Ebenen müsse geprüft werden, „welche Maßnahmen wir den Clans entgegensetzen können“, forderte Heisig. Staatliche Institutionen wie die Jugendhilfe seien weitgehend machtlos. Sie denke, dass die Furcht vor den kriminellen Familien alles andere überwiege, schreibt Heisig. Denn hinter vorgehaltener Hand heiße es: „Man kann kein Kind zwangsweise aus einem arabischen Clan nehmen. Die Familien erschießen jeden, der das versuchen sollte.“ So entstünde Angst. „Angst” aber, schreibt Heisig, „ist ein schlechter Ratgeber. Sie lähmt das System und den Einzelnen.

Die Richterin plädiert in ihrem Buch dafür, Datenschutz dürfe nicht dem Täterschutz dienen. Wenn der deutsche Staat diese Familien weiter ohne jede Gegenleistung mit Kindergeld und Sozialleistungen unterstütze, „obwohl sie die Gesellschaft hemmungslos schädigen, blamiert er sich aufs Äußerste und lädt zur Nachahmung ein“. Sie beschreibt die Endlosschleife der Gewalt von A bis Z.

Heisig hatte das im Buch beschriebene Neuköllner Modell initiiert, nach dem jugendliche Straftäter nach einem Delikt schnell und nicht erst Monate später bestraft werden sollen, um erzieherische Wirkung zu erreichen. Damit war sie bundesweit bekannt geworden. Der Erfolg gibt ihr Recht: Seit Juni 2010 gilt das vor mehr als zwei Jahren begonnene Projekt in ganz Berlin.

Im Buch verweist Heisig auch auf konkrete gesetzliche Bestimmungen – wie § 71 JGG -, die zu selten zur Anwendung kommen. Sie plädiert für verpflichtende Kindergartenbesuchsjahre und Sprachtests, klarere Wirksamkeitsprüfungen jugendamtlicher Maßnahmen und einen gemeinsamen Finanztopf von Justiz und Jugendhilfe, damit Maßnahmen nicht aus Kostengründen auf ein anderes Budget verlagert werden. Sie empfiehlt eine flächendeckendere Einführung sog. Schulstationen sowie für konkrete Bürozeiten von Jugendamtsmitarbeitern an Schulen. Ob die „Einführung geschlossener Unterbringungsmöglichkeiten für absolute Härtefälle” (S. 113) erfolgversprechend ist, würde die Realität zeigen. Der Ansatz aber, zeitnah bei Schulversäumnissen und Straftaten spürbar zu reagieren, wird wohl viele hoffentlich überzeugen. Auch bei der besonderen Problematik strafunmündiger Libanesen, die per Flugzeug in Deutschland einreisen und dann für Drogengeschäfte missbraucht werden, hat Heisig eine sehr konkrete Vorstellung der Abhilfe. Sie appelliert an den Willen der Verantwortlichen, genauso wie in anderen Politikbereichen, sich nicht unter dem Mehltau der Aktenbürokratie zu verstecken, sondern kreativ neue Wege zu gehen und gegebenenfalls geltende Bestimmungen zu überdenken. Sie fordert die Beseitigung von Handlungsdefiziten.

Mit dem bürokratischen, zeitaufwändigen Ablauf eines normalen Jugendstrafverfahrens erreiche man nichts, lautete ihr ernüchterndes Fazit. Das Ende der Geduld war ihr starker Ruf nach außen, während sich Kollegen und Vertreter verantwortlicher Behörden sowie Parteien zu Heisigs Lebzeiten gerne davon distanzierten, um selbst lieber den global funktionierenden Multikulti-Protagonisten abzugeben. Die teuerste Einbildung, die jemand zur Zeit haben kann. Um Heisig herum gruppierten sich stattdessen neue Freunde, die man nicht wirklich haben will. Es entsteht ein Stress, den sie mit der Familie nicht verarbeiten kann, denn die hat sich längst umorientiert. Resolut wie Heisig war, hinterlässt sie zwei Töchter (13, 15) und mit ihnen “Das Ende der Geduld”.

Heisig machte sich Gedanken über die Strukturen hinter den einzelnen, straffälligen Jugendlichen. Über die Entwicklung einer Gesellschaft, die solche Jugendliche hervorbringt. “Wir müssen uns gemeinsam Gedanken darüber machen, wie es in dieser Gesellschaft weitergehen soll. Und wir müssen handeln. Es bleibt wenig Zeit.” Die Wirkung ihres posthum erschienenen Buches wird Heisig nicht erleben. Von daher ist es ein Vermächtnis und eine Botschaft an uns alle. Sie sollte im Bundestag unmissverständlich vorgelesen werden bei Anwesenheitspflicht aller Abgeordneten. Man darf gespannt sein, wer zuerst dazu auffordern würde, das Buch auf den Index zu setzen. Dabei ist klar: Ein Einzelner kann nur wenig bewirken, reibt sich auf, resigniert irgendwann. Von Heisig beschriebene Veränderungen im Denken und Handeln müssen aus der Mitte der Gesellschaft kommen, von ihr getragen werden, um es dauerhaft zu erreichen: Das Ende der Gewalt!

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Quellen mit Stand v. 15. März. 2011:
» AtaSe.de: Film: Tod einer Richterin
» Herder Verlag, Buchauszug: Kirsten Heisig: Das Ende der Geduld
» Spiegel 29/2010, Auszug: Kirsten Heisig: Das Ende der Geduld
» Das Ende der Selbstmordversion? (Teil 3), G. Wisnewski v. 16.7.2010
» hr2 Magazin “Der Tag” vom 27. Juli 2010
» Heisig hat im Gegensatz zu Sarrazin etwas getan, Tagesspiegel v. 7.11.2010
» OVG Berlin-Brandenburg hebt Nachrichtensperre im Fall Heisig auf, IUM v. 17.11.2010

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Kommentare
  • Dokumentation zum Fall Kirsten Heisig der Arbeitsgruppe Kirsten Heisig
    V.i.S.d.P.
    Bernd A. Laska
    Chamer Str. 27
    90480 Nürnberg

    Kirsten Heisig habe sich selbst getötet. Dies war, wie bereits während der mehrtägigen Suche nach der Vermissten von Behörden und Medien vermutet, schon wenige Stunden nach dem Auffinden ihrer Leiche amtlich. Zweifel an der Suizidthese blieben dennoch, sowohl bei Freunden und Bekannten Heisigs als auch bei kritischen Beobachtern. Für die Leitmedien samt Gefolgschaft war der Fall allerdings erledigt, ohne dass naheliegende Verdachtsmomente für einen Mord auch nur erwogen, geschweige denn investigativ geklärt wurden. Das hat die Zweifel eher noch verstärkt. Weil eine Aufklärung des Falles vorerst nicht möglich zu sein scheint, möge die folgende Zusammenstellung veröffentlichter Texte als Hilfe zur Bildung eines Urteils über den Sachverhalt dienen.

    http://www.kirsten-heisig.info/

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