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Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.

Der Film „Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika“ stellt einen der größten Humanisten des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt: Albert Schweitzer. Bereits mit dreißig Jahren war er bekannt als Theologe und Philosoph, als Autor eines Buches über Johann Sebastian Bach, das selbst heute noch als Standardwerk gilt, und als gefeierter Interpret von Bachs Orgelwerken.
Dann sattelt er um, studiert Medizin und beschließt zusammen mit seiner Frau Helene nach Afrika zu gehen, um dort ein Krankenhaus aufzubauen und den Ärmsten der Armen zu helfen. Für Schweitzer stand fest, dass er seinen Plan des „rein menschlichen Dienens“ nunmehr dort verwirklichen wollte. Denn Christ sein bedeutete für Albert Schweitzer stets mehr als Gottesdienst und Theorie. Hier lag auch die Motivation, etwas „von der Schuld abzutragen“, die die europäischen Kolonialmächte in Afrika auf sich geladen hatten.
Während des kurz darauf ausbrechenden Ersten Weltkrieges suchte Albert Schweitzer in Lambarene vergeblich eine Antwort auf die Frage, wie der Mensch für sich einfach und rational herleiten kann, sich selbst und die Welt zu bejahen. Als er jedoch im September 1915 eine längere Fahrt auf dem Ogowe-Fluss unternahm, stand urplötzlich der Ausdruck „Ehrfurcht vor dem Leben“ vor ihm:

„Als wir bei Sonnenuntergang gerade durch eine Herde Nilpferde hindurch fuhren, stand urplötzlich, von mir nicht geahnt und nicht gesucht, das Wort „EHRFURCHT VOR DEM LEBEN“ vor mir. Der Pfad im Dickicht war sichtbar geworden. Nun war ich zu der Idee vorgedrungen, in der Welt- und Lebensbejahung und Ethik miteinander enthalten sind.“

Mit diesem programmatischen ethischen Denken der „Ehrfurcht vor dem Leben“ und dessen gezielter Umsetzung hat Albert Schweitzer beispielhaft deutlich gemacht, wie sich ethisches Verhalten konkret begründen und Menschlichkeit ganz praktisch gestalten lässt.
Mit Lambarene baute Schweitzer ein Krankenhaus, das dieser Ethik entsprach und sich – entgegen damaligen Ansichten – den einheimischen Gepflogenheiten und Bedürfnissen anpasste. Lambarene finanzierte sich ausschließlich aus Spendengeldern, die Schweitzer zusammen mit seiner Frau auf Vortragsreisen und mit Orgelkonzerten akquirierte. Auch heute noch ist Lambarene, trotz Subventionen durch den Staat Gabun, eine private gemeinnützige Einrichtung.
In Schweitzers Ethik liegt auch der Ursprung seines Engagements gegen Kernwaffentests – obwohl er sich zunächst nicht dazu berufen fühlte, politisch und wissenschaftlich Position zu beziehen. Doch nachdem er von vielen Freunden und bekannten Wissenschaftlern, darunter auch Albert Einstein, immer mehr gedrängt wurde, öffentlich gegen die Atombombe und die Atomtests zu protestieren, stellte er sich der Verantwortung und verfasste seine Appelle, die Versuche einzustellen. Es sollte Jahre dauern, bis Schweitzers Worte und die aller anderen Wissenschaftler, die sich dafür einsetzten, auch in der Weltpolitik Gehör fanden. Erst nach der Kubakrise 1962 trat endlich am 10. Oktober 1963 der sogenannte „Atomteststoppvertrag“ in Kraft, der alle Kernwaffenversuche in der Atmosphäre und unter Wasser verbat. Dieser Vertrag ist bis heute gültig.
Ganz in der Tradition von Albert Schweitzers Engagement und seiner „Ehrfurcht vor dem Leben“ setzen sich die „Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) seit ihrer Gründung 1980 dafür ein, alle Atomwaffen weltweit abzuschaffen. Für ihre Arbeit erhielt die IPPNW 1984 den UNESCO-Friedenspreis und 1985 den Friedensnobelpreis.

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