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Duisburger Deathparade – Zeugen gesucht

Bei der diesjährigen Loveparade in Duisburg, Motto “The Art Of Love“, starben am Samstag (24. Juli 2010) 21 Menschen, mehr als 500 wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Gegen Veranstalter und die Stadt Duisburg werden zunehmend Vorwürfe wegen “massiver Sicherheitslücken” laut. Damit, wer auch immer am Ende die Verantwortung für diese Tragödie zu übernehmen hat, sich derselben und damit der Ehrfurcht vor dem Leben nicht konsequent entziehen kann, sollten jetzt Augenzeugen dieses Events die Stärke des Mediums INTERNET nutzen, Kontakte austauschen und sich zum Zweck der Interessensvertretung von Opfern und Geschädigten organisieren.

Tunnel auf der Loveparade 2010 Duisburg

Fakten:
Leuten, die auf das Gelände wollten, wurde gesagt: Das Gelände sei wegen Überfüllung abgesperrt. Von hinten drückten Menschenmassen durch den Tunnel auf der Karl-Lehr-Straße. Der Tunnel ließ keinerlei Fluchträume zu. Während Menschen im Tunnel bewusstlos wurden, versuchten andere über die Treppe, Lautsprechertraverse sowie eine von Helfern ungesicherte Leiter auf einem Container raus aus dem Tumult und ggf. von oben aufs Gelände zu gelangen. Derjenige, der in der Mitte stand, hat die Enge desjenigen, der an die Wand gequetscht wurde, ebensowenig wahrnehmen können wie den Sauerstoffmangel im Tunnel.

Loveparade 2010 Duisburg

Bei der Pressekonferenz äußerten sich am Tage nach dem Unglück sichtlich erschütterte Verantwortliche: der kommissarische Duisburger Polizeipräsident Detlef von Schmeling, Krisenstabsleiter Wolfgang Rabe, Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sowie Rainer Schaller, Geschäftsführer des Love-Parade-Veranstalters Lopavent GmbH und des Großsponsors McFit Fitness GmbH. Hinzu kamen Sprecher der LoveParade und der Bundespolizei.

Die Worte, die der 41jährige Loveparade-Chef weniger als 24 Stunden nach der Tragödie auf dieser Pressekonferenz finden muss, liest er stumpf von einem Zettel ab: “[...] Die Loveparade war immer eine fröhliche Veranstaltung mit Menschen, die friedlich feiern wollten. Die Loveparade wird immer von dieser Tragödie überschattet sein, und aus Respekt vor den Opfern werden wir keine Loveparade mehr durchführen. Die Loveparade ist damit gestorben. Wir werden sie nicht weiter fortführen – dies bedeutet das Aus der Love Parade.

In solchen Fällen bedarf es keines Katastrophenjournalismus, sondern lediglich Augenzeugen, ihren Stimmen und ihren Berichten. Der Vergleich zeigt schnell, wie und wo die Darstellung auf der Pressekonferenz vom Erlebten abweicht. Und so kommentieren Augenzeugen auf der Westen.de diese Pressekonferenz:

Hardcore-raver aus Vogtland schrieb am 26.07.2010 18:09
Ich war auch dort – wie bei jeder LP seit 96. Ich habe noch nie so ein chaos erlebt…….. Ich Danke hier mal allen freiwilligen Helfern von DRK, Malteser und den vielen Polizisten aus ganz Deutschland. Ihr musstet so viel Elend sehen – ihr habt geholfen wo andere weggerannt sind. Ohne euch wären noch mehr gestorben: IHR SEIT DIE WAHREN HELDEN DER LP 2010. DANKE Ich habe gegen 2 Uhr nachts an dem Krankenhaus an einem Krankenwagen eine Rettungsassistentin gesehen – sie hat bitterlich geweint – ich habe ihr nur auf die Schulter geklopft und habe Danke gesagt im Namen aller friedlichen Raver – dann bin ich weg weil ich selber heulte :´-(

Karl aus Saarbrücken schrieb am 25.07.2010 19:05
Lieber Marvin, wenn Du ein bisschen überlegtest, dann würdest Du Sven recht geben. Die bedauerliche Situation Vieler, haben wenige Unvernünftige durch ihr unverantwortliches Handeln herbeigeführt. Wenige, die in ihrer Ungeduld (nicht in Panik, wie die Filme belegen) Zäune umgerissen haben, über Container geklettert, abgesperrte Bereiche (Treppe) hochgeklettert und dabei abgestürzt sind wie die Lemminge am Abgrund. Diese Wenigen haben in erster Linie den Tod von 19 Menschen zu verantworten, nicht die Veranstalter. Sicher hätte der Veranstalter all das einkalkulieren und die Loveparade absagen können. Was im Nachhinein (nachher sind alle schlauer) betrachtet vielleicht auch besser gewesen wäre und was in Zukunft wohl auch so sein wird. Einzelne mögen sich vielleicht noch verhalten wie erwachsene Menschen. Menschenmassen nicht, wie diese traurige Ereignis wieder einmal belegt. Sie verhalten sich genau so, wie Herden nämlich!

Sven Krause aus Datteln schrieb am 25.07.2010 19:01
Marvin aus BO: In den Punkt des Bewusstloswerdens und der Hilflosigkeit gebe ich dir recht, aber das ändert nichts daran, das die meisten Erwachsenen nicht in der Lage sind, auf Anweisungen von Polizei und Sicherheitsdiensten zu hören. “Einfach mal ignorieren” heißt häufig die Devise. Das dies in einem Chaos endet, haben wir ja nun gelernt, hoffe ich. Absperrungen und Anweisungen haben ihren Sinn – und wenn jeder einfach einmal stehenbleibt und den Anweisungen folgt, gäbe es auch keine Toten zu beklagen – so einfach ist das. Es war ja nicht so, das auf euch geschossen wurde. Aber wenigstens bedankst du dich bei den Polizeibeamten, die dich rausgeholt haben – immerhin. [...]

Dori aus Münster schrieb am 25.07.2010 16:23
[...] kein besucher war daran schuld, die organisation & das handeln der polizei hat die massenpanik ausgelöst!

Sven schrieb am 25.07.2010 15:50
Lauter Lügen vom Polizeipräsi! Es wurde von der Polizei gesperrt! Jeder konnte es im TV sehen, als der Polizeiwagen vor den Tunnel vorgefahren ist!!!!

Christina aus Düsseldorf schrieb am 25.07.2010 18:16
“der platz war zu keinem zeitpunkt in dieser form gefüllt[...]” Das gibt es nicht. Ich stand auf dem platz. Man kam einfach nicht weg. Ich hatte angst, meine Freundin und ich werden zerquetscht und keiner würde es beachten! Er stand nicht mit da drin wie soll er also Ahnung davon haben?! Einfach UNFASSBAR!!!

Rene aus Dortmund schrieb am 25.07.2010 17:24
105 000 tausend gäste zwischen 9-14 uhr, hat vielleicht auch mal jemand daran gedacht das es zu so einen event immer noch viele gibt die gar kein ticket ziehen, also schwarz fahren… und ausserdem, wenn der platz doch nicht voll war, warum haben die nicht die leute im tunnel drauf gelassen und vor dem tunnel dicht gemacht. Die wiedersprechen sie bei allem, und was soll diese pressekonferenz? die sagt nichts aus, die zeigt nur das sich alle 4 köpfe aus der schlinge ziehen wollen….

Eine Zusammenfassung, die sich alle Verantwortlichen gefallen lassen müssen, aus den News der RaveLine:

Carina sagt: 26. Juli 2010 um 12:35
Wir sind um ca. 16.30 Uhr schon durch den Tunnel “gepresst” worden. Es gab vor dem Tunnel zwar zwei “Barrieren” auf der Düsseldorfer Straße, diese wurden von der Polizei jedoch lediglich dazu genutzt um Glasflaschen vor dem Eintreten in das Gelände zu konfiszieren. Es wurde nicht aufgehalten und nicht gewarnt! Obwohl schon längst auch für die Polizei und anderen Sicherheitskräfte ersichtlich war, dass wer sich einmal in dem Strom Richtung Tunnel befindet, dort nicht mehr herauskommt! Wir sowie viele hunderte Menschen hinter uns, wurden von der Polizei noch weiter und weiter durch die mit Zäunen begrenzten Wege in Richtung Nadelöhr/Tunnel geschläust. Schon der Zugang zur Karl-Lehr-Straße war so überfüllt, dass man spätestens zu diesem Zeitpunkt die Massen nicht mehr hätte nachrücken lassen dürfen! Es war, als hätte man eine Herde Vieh in Texasmanier durch enge Kanäle an ihre Schlachtstelle getrieben!!! Genau so kam man sich vor! Wer einmal drin war, hatte keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Im Tunnel waren es gefühlte 50 Grad und kaum Sauerstoff. Wer durch den Tunnel durch war, bemerkte schnell, dass auch aus dem Gegentunnel Menschen in Richtung Sauerstoff stürmten – und das war das Nadelöhr: der Aufgang zum Gelände.

Kein Wunder, dass die Leute, als es nach uns noch voller wurde, nach Durchquerung der Tunnel versucht haben, dieser Enge und eindeutigen Gefahr zu entkommen. Schon vor der Katastrophe haben auch wir gesehen, dass manche versuchten, über die abgesperrte Treppe und Zäune den Hexenkessel zu verlassen. Spätestens nun hätten alle Zugänge zum Gelände aufgemacht werden müssen, um die Lage zu entspannen. Wir haben nur Glück gehabt, dass in unserer Umgebung alle versucht haben Ruhe zu bewahren und niemand zusammengebrochen ist. Sonst wäre das Unglück schon knapp 30 Minuten vorher oder noch früher eingetreten. Es war also schon eine halbe Stunde vor dem Unglück- wer zu ungefähr diesem Zeitpunkt da war, weiß wovon ich spreche – für JEDEN absehbar, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis eine Panik in/hinter den Tunneln ausbricht! Und dies nicht, weil die Menschen unbedingt ganz schnell tanzen wollten, sondern weil alle nach dem Tunnel vollkommen fertig, erschöpft und geängstigt waren!
Auch frage ich mich, was passiert wäre, wäre es an diesem Tag wie die Woche zuvor um, oder sogar über 30 Grad warm gewesen!?! Ich bin sicher, dann wären die Menschen schon im Tunnel gestorben wie die Fliegen! Aber es ist schon schrecklich genug, was passiert ist.

Auch ich und meine Freunde trauern um jeden Toten und richten unser ganzes Mitgefühl an die jenigen, die auf der LOVEPARADE 2010 Freunde, Familie oder Bekannte verloren haben und wünschen allen Verletzten, dass ihr schnell wieder auf die Beine kommt und diesen schwarzen Tag, im Gewissen, dass wir alle mit euch sind, irgendwann hinter euch lassen könnt. Ich selber fahre jeden Tag auf dem Weg zu Arbeit nur knapp an der Unglücksstelle vorbei und bin sicher, dass jeder, der da war, bei Anblick der Stelle für die nächsten Jahre die Bilder wieder im Kopf haben wird.

Duisburger Bewohner und alle die, die hier in der Stadt beruflich unterwegs sind sowie die, die Samstag auch eigentlich nur feiern wollten und jetzt wieder in ihren Heimatstädten sind – macht euch doch kleine scharze Bändchen zum Zeichen der Trauer an eure Autoantennen! Lasst uns gemeinsam zeigen dass WIR ALLE mit den Familien der Toten trauern!!

Gemeinsam haben wir in guten Zeiten schwarz-rot-gold getragen, nun lasst uns auch in schlechten Zeiten zeigen, dass wir EIN Land sind und zusammenstehen!

Tatort Tunnel: Düsseldorfer sucht Zeugen
Düsseldorf/Duisburg, 26.07.2010 von Dieter Schneider. Der 27-jährige Düsseldorfer Markus Donath sucht Zeugen, um die Sperrung des zweiten Tunnels und der Notausgänge bei der Massenpanik auf dem Duisburger Loveparade-Gelände zu belegen.

Seiner Meinung nach und nach dem, was er persönlich erlebt hat, “werden in diesem Fall die Tatsachen verdreht und gelogen“, sagt er und appelliert an die Besucher der Loveparade, mit ihm zu bezeugen, wann es wie um den „Tatort Tunnel“ tatsächlich bestellt war. Dafür hat Markus Donath eine Mailadresse eingerichtet: zeugelp2010@hotmail.de

Oliver Schuetz, langjähriger Loveparade-Besucher aus Herne, hat seine Seite geräumt, und macht Platz für diesjährige Erfahrungen. Wer seinen Text liest, weiß womöglich, wer er ist, da die Szene in vielen Videos dokumentiert wurde. Er und seine Kollegen haben Anzeige gegen die Verantwortlichen dieser Veranstaltung gestellt und er hofft, dass ihrem Beispiel weitere Besucher folgen.

Besucherzahlen ermitteln - Helft mit!Der stellvertretende Polizeipräsident hat auf der Pressekonferenz behauptet, dass nur ca. 150.000 Besucher auf der Loveparade 2010 in Duisburg waren! Das kann niemand glauben, der dabei gewesen ist!
Helft mit, die genauen Zahlen zu ermitteln und die Besucher zu zählen!

Opfer-Jurist Thomas Kämmer zu BILD.de: „Um die Mauer der Verantwortungsverweigerung und drohenden Entschädigungsvereitlung einzureißen, bedarf es einer sehr großen Gruppe von Überlebenden und Hinterbliebenen, die sich zusammenschließen. Nur so lässt sich der notwenige Druck erzeugen.“

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QUELLEN u.a. mit Stand vom 24.8.2010 0:35h :
» Pressekonferenz v. 25.7.2010 der Stadt Duisburg
» Pietätloser Umgang mit dem Tod v. 28.7.2010
» AXA und Rainer Schaller richten Soforthilfe für Opfer der Loveparade ein v. 29.7.2010
» Spiegel: Bürgermeister verliert Pension bei Rücktritt v. 29.7.2010
» Westen.de: Augenzeuge filmte Loveparade-Panik an der Treppe v. 29.7.2010 *** Achtung: Die oben unter Augenzeugen verlinkten Videos sind wieder aktiv. Siehe Kommentare dazu! ***
» AtaSe.de: Überprüfung der Opferzahlen ab 30.7.2010
» Bild: Trauerfeier in Duisburg ab 10.45h ARD, 31.7.2010
» DLF-Dok.: Parade der Schuldigen, 31.7.2010
» DLF-Kommentar: Das Lehrstück von Duisburg, 31.7.2010
» Blog: Christines Erfahrungen
» Chronik der Nordwest-Zeitung, NWZ
» Loveparade 2010 Planungsdokumente, 2007-2010

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Kommentare
  • Wenn deine Eltern sterben, verlierst Du deine Vergangenheit,
    wenn dein Kind stirbt, verlierst Du deine Zukunft.

    (Dr. Elliot Luby)

  • Auch an dieser Stelle noch einmal, weil ich persönlich angesprochen worden bin, ob die Gruppenfusion Duisburg Loveparade auf Facebook nicht zu politisch und zu einschlägig sei: Die Gruppenfusion setzt sich sicherlich politisch mit dem Thema auseinander. Schließlich war es auch eine politische Entscheidung, die LP 2010 genau dort, auf diesem Gelände stattfinden zu lassen.

    Wer Opfer benennen oder erkunden will, ist nach wie vor in der Gruppe
    LOVEPARADE 2010 – Wir wollen alle Namen auf der Gedenktafel!!!
    richtig.

    Wer nicht möchte, dass die Opfer der Loveparade 2010 in Vergessenheit geraten, für eine Gedenkstätte am Ort des Geschehens ist und/oder Trost sucht, der findet ihn u.a. bei Konni Hendrix und vielen Gleichgesinnten in der Gruppe
    Never Forget – den Opfern der Love Parade
    unter der URL http://www.facebook.com/pages/Never-Forget-den-Opfern-der-Love-Parade/144931432191702?v=info&ref=mf

    Mehr Gruppen, Seiten o.ä. braucht es in meinen Augen auf FB nicht. Denn alles andere dezentralisiert die Kraft, die wirklich Ergebnisse schafft.

    Alles Liebe
    Simone

  • bernd
    Kommentar #621 vom 26. Dezember 2010 at 04:36

    Wir sind zwei junge Männer aus Ascheberg, beide 26 Jahre alt die am 24.Juli 2010 in Duisburg bei der LoveParade2010 dabei waren.
    Zum Zeitpunkt als die Panik ausbrach, befanden wir uns oberhalb der Zugangspampe.
    Als wir gesehen hatten was für ein Unglück gerade geschieht, wollten wir auf Grund unser Ausbildung im Ehrenamt der FFW und THW zum Ersthelfer in der Zugangsrampe erste Hilfe leisten.
    Dies wurde uns jedoch von den Beamten der Polizei jedoch verwehrt und verboten, mit der Aussage: “Wir brauchen keine unausgebildete Ersthelfer!´´
    Nach dem wir nochmals drauf hingewiesen haben, dass wir bei der FFW und THW sind, und ich meinen Helferausweis des THWs vorgezeigt habe und wir gesagt haben, dass da Verletzte und noch keine Notärzte bzw. Rettungskräfte vor Ort sind, haben wir nochmals die Aussage bekommen: “Wir brauchen keine HIlfe!´´
    Somit wurden wir genötigt Unterlassene Hilfeleistung zu begehen!

  • Loveparade 2010 – eine für alle!…

    ……

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