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Lukas Loss: Loveparade Gedenken

Der 24jährige Duisburger Art-& Mediadesigner hat das Unglück während der Loveparade zwar nicht live erlebt, aber in den folgenden Stunden und Tagen verfolgt. Er wohnt weniger als drei Kilometer von der Unglücksstelle entfernt. Viele seiner Freunde und Bekannten waren an jenem Tag bei der Veranstaltung. Diese räumliche und persönliche Nähe ließ ihn mit den Opfern und ihren Angehörigen mitfühlen und ihre Kritik am Umgang der Politik mit diesem Thema teilen.
Sehr schnell entwickelte er die Idee, an dieser Stelle ein Denkmal für die Betroffenen zu schaffen, um das Ereignis mahnend dokumentieren. Loss entwarf eine Vorlage für ein Reverse Graffitti, das er im so genannten Gelben Bogen, dem Tunnel, in dem das Unglück stattfand, anbringen wollte, und stellte dieses Konzept im August 2010 der Öffentlichkeit vor und setzte es im Januar 2011 mit Never Forget um. Dieser Artikel beschreibt, warum die Arbeit nicht fertiggestellt werden kann.

So überfordert wie die Stadt Duisburg mit der Loveparade als Veranstaltung war, so zeigt sie sich auch beim Thema Gedenken: Sechs Wochen nach der Loveparade-Tragödie wird am 4. September an der Trauerstätte im Karl-Lehr-Tunnel eine Gedenktafel mit den Worten „Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade“ angebracht. Die Bürgerinnen und Bürger wurden an gebeten, die Trauergaben, Kerzen und Erinnerungszettel von morgens bis 14 Uhr in einem Glaskubus zu sammeln, um sie vorerst so zu bewahren. Für das Mahnmal in Form einer Stele, welches bis zum ersten Jahrestag entstehen soll, wird ein Künstlerwettbewerb ausgeschrieben. Loss’ Vorschlag ist also mit einer der ersten, der in der Öffentlichkeit vorstellig wird und weil er fernab von einer Stele, ist er für den Wettbewerb eher irrelevant. Man konnte ihn also direkt umsetzen. Elisabeth Höller, seit 2007 Sprecherin der IG Duisburger Künstler, somit vertreten im Bürgerkreis Gedenken, wollte die Arbeit dort vorstellen. Was passiert danach? Nichts. Man komme mit den Genehmigungen nicht weiter. Das ist auch noch der Stand vom 9. Januar 2011, an dem Loss’ Projekt zur Umsetzung in der Initiative “Never Forget” als Monatsaktion beschlossen wird. Wo Never Forget ist, da sind für gewöhnlich ein paar mehr Steine im Weg. Das Ergebnis ist umso erstaunlicher: 15 Tage später hat man es geschafft – fast.

Die Aktion am 24. Januar 2011 gestaltete sich so, dass eine Gruppe von Aktivisten – einschließlich Künstler – auf einer Seite die Tunnelwand schrubbte. Die Technik der Reverse Graffittis eignet sich speziell hierfür, da die Opfer bei der Flucht aus dem Tunnel selber solche Spuren an seinen Wänden hinterließen. Die Wand zeigt heute Umrisse von Menschen, die dicht gedrängt an einander stehen. Im Tunnelverlauf werden es abnehmend weniger Silhouetten – bis hin zur Leere. Jetzt im Frühjahr wollte man die Bildaussage weiter verstärken und die Silhouetten mit Dampfstrahl reinigen, damit sie sich deutlicher vom Untergrund absetzen. Diese Arbeit kann nicht durchgeführt werden, da ein ehemaliges Vorstandsmitglied von Never Forget meinte, es müsse die von Bärbel Bas dem Verein gestifteten Schablonen kostenfrei auf einem Osterfeuer entsorgen. Die Zerstörung der Schablonen entsetzt Vereinsmitglieder wie nichtorganisierte Unterstützer. Never Forget und Loss benötigen zur Neuanfertigung der Schablonen ca. 200.- Euro. Die fehlen. Wer dafür ist, dass diese Arbeit kurzfristig fortgesetzt wird, der spendet unter dem Verwendungszweck: “Lukas Schablonen”

Never Forget den Opfern der Loveparade e.V.
Volksbank Rhein Ruhr
BLZ: 35060386
Konto: 4325300000

Für Spenden aus dem Ausland:
IBAN 56350603864325300000
BIC GEN0DED1VRR

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Kommentare
  • Brilliant geschrieben, wie immer aus dem Hause Semmlchen. ;-)

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  • Danke für dein Lob, Jürgen! Ich mag den Jungen. Und die Tatsache, dass er drei Monate nach erfolgreich umgesetzter Aktion sein Reverse Graffitti nun aufgrund des Fehlers einer Einzelperson nicht fertigstellen könnte, gefällt mir gar nicht.
    Auffallend ist, dass Höller ihren Blogpost v. 11. August 2010 “Unterstützenswerte Idee von Lukas Loss” von einem auf den anderen Tag den Augen der Öffentlichkeit entzieht. Schade, wenn man sich mit seiner veröffentlichten privaten Meinung nicht mehr auseinandersetzen mag.

    LG Simone

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  • hallo Frau Semmel,

    vielen dank für diesen wirklich gelungenen artikel. wenn ich auch die begeisterug für den künstler nicht teile, das projekt hat mich schon begeistert, als es 08/2010 durch die presse ging.

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  • [...] Lukas Loss: Loveparade Gedenken [...]

  • Der Artikel ist so auch nachzulesen im ParcelPanic’s Blog – für eine würdige Gedenkstätte.

    Was wiederum Jürgen Rohn auf seiner Facebook-Pinwand treffend zusammenfasst mit “Lukas gut, NF gut, KH gut, Gregor böse, Elisabeth untätig – und jetzt aber – bitteeeeeee – 200 Euro dumdideldei”

    Geht’s treffender? Ja: per Überweisungsschein!, jeder Cent zählt!

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    • bevor jemand anderes darauf kommt:

      es müsste “parcelpanic`s” heissen. nicht das ich kleinlich wäre [oder es zugeben würde ;-)], allerdings klingt “Parcel`s Panic Blog” im zusammenhang etwas missverständlich. der begriff leitet sich nicht, wie teils angenommen vom ereignis ab, vielmehr entstand er im berufsalltag
      der nick (in einem wort) hat also nichts mit der sache zu tun und wird von mir seit mehreren jahren verwendet, siehe u.a.YouTube.

      wie erwähnt, ich stosse mich nicht daran. es sollen aber rechtschreibdetektive unterwegs sein…

      *knicks*
      p.s.: dieser kommentar darf gerne auch gelöscht werden.

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      • Danke für den Hinweis!!! Habe es korrigiert. Ist doch immer klasse, wie Freud im Hinterstübchen mitschreibt. ;-)

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        • parcelpanic
          Kommentar #755 vom 9. Mai 2011 at 01:25

          liebe frau Simone,

          ich mag den kollegen “Bloch” aus der selben kategorie fast genau so gerne… und man findet schneller einen reim drauf… *g*

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  • Die Aktion von Lukas Loss ist brilliant.
    Dass Never Forget diese Aktion seit Januar kaum weiter verfolgte, kann man wohl kaum mit der “Entsorgung” der Schablonen in einem Osterfeuer erklären. Man hat in der Zwischenzeit einfach andere Kunstprojekte unter jedem Niveau durchgeführt. Dabei nicht davor zurück geschreckt, die Pflastersteine des “historischen Ortes” mit Sinn freien Sprüchen zu verschandeln.

    Ein halbwegs vernünftig strukturierter Verein, müsste ohne einen Spendenaufruf dem Künstler die vom Verein und seinem Vorstand nicht hinreichend gesicherten Schablonen ersetzen können.
    Kleinlich und auch ein wenig peinlich…

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    • hey, herr L.,

      zitat: “Wir müssten uns auf eine Spielregel einigen:
      Sie doppeln ja hier Inhalte,…”

      tu ich dann auch mal,… aber nur der vollständigkeit halber. Sie zwingen mich praktisch dazu, könnte man/frau denken.

      +-+-+-+-+-+-+
      “falsch. die Idee von ihm ja. aber entweder ist es seine aktion und er ist „schuld“, wenn es da so aussieht, wie es sieht oder es ist die aktion von NF und die haben es vergeigt. mal ist die aktion toll (weil L.), mal mist und selbst schuld das so ein mist (dann NF). da sollte man schon unterscheiden?

      fakt ist: herr L wollte, als die Bahn sinnfrei mit sperrung des gesamten bahnverkehrs drohte, die aktion verbieten lassen. er ist erst später, nach vorfühlen durch dritte, da erschienen. um ein bischen medien-smalltalk zu machen und das gesicht in die kamera zu halten. fakt. waren sie da? ich ja.

      ich habe die aktion allerdings auch verlassen, um sie nicht zu gefährden, als herr L. und ich an unsere kommunikativen grenzen gestossen sind. zerreisse ich herrn L. deswegen heute?

      eben ”
      +-+-+-+-+-+-+

      sorry Frau Semmel. Sie heben “eine gut”.
      *knicks*

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  • Wie erwähnt ist ihr Artikel ja bei parcelpanic übernommen worden.

    Von einem Teilnehmer der Kooperation zwischen Loss und Never Forget weniger harmonisches:
    “er (Lukas Loss,L.E) ist erst später, nach vorfühlen durch dritte, da erschienen. um ein bischen medien-smalltalk zu machen und das gesicht in die kamera zu halten.”

    Hat Never Forget den Spendenaufruf mit Lukas Loss abgesprochen?
    Oder erklärt sich die lange Pause von Januar bis Mai und die vom Vorstand des Vereins beschlossene Vernichtung der Schablonen des Künstlers mit grundsätzlichen Differenzen zwischen Loss und Never Forget?

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  • parcelpanic
    Kommentar #753 vom 9. Mai 2011 at 01:15

    lieber herr Evers,

    der weniger wohlwollende war dann wohl ich. ICH war allerdings auch vor ort. wie steht es bei Ihnen?

    Sie wissen so gut wie ich: die schablonen wurden rechtswidrig durch ein ausgetretenes mitglied vernichtet. es ist keine entscheidung des gesamten vorstand gewesen, mit einem teil der orginale das Osterfeuer zu füttern.
    ich selbst habe die aktion nach dem 24.01.2011 noch in nächtlichen aktionen nach meiner arbeit weiter verfolgt. Sie können ja mal nur etwa 10 paar beine bürsten, dann können wir gene weiter lamentieren.
    wäre das thema nicht so ernst, wären Ihre gezielt desinformierenden “beiträge” fast lachhaft!

    vielleicht stellen Sie ihre fragen nicht immer nur dritten. es bietet sich an, die bezugsperson/gruppe auch um Ihre antwort zu fragen. tun Sie in den meisten fällen nicht… auftragsarbeit?

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    • Richtig, parcelpanic.

      Ich finde es eher ärgerlich, war es auf FB gerade noch Lothar Evers, der selbiges ziemlich knirsch einfordert, wenn es um seine eigene Person geht. Zu blöde nur, dass man sich vorher schon mit zwei Leuten unterhalten hatte, die auf derselben Veranstaltung wie er waren.

      Ich möchte die urprünglich aufgeworfene Frage gar nicht beantworten, da auch klar ist, unter welchem Druck damals Loss gestanden hat und unter welchen Bedingungen man die Aktion umgesetzt hat. Da ist null Disput, sondern nur die Frage danach, wie die Schablonen schnellstmöglich ersetzt werden können.
      Und um das noch einmal klar zu stellen:

      1. Das ist mein persönliches Anliegen, weil Loss, der jetzt dank Witterung weiter machen wollte, es nicht kann.

      2. So, wie sich Dronski in der Presse präsentiert, halte ich es persönlich für überflüssig, den Mann zu irgend etwas heranzuziehen. Wenn er den Fehler zugeben mag, dann sammelt er selbst 200.- Euro ein, drückt sie Loss in die Hand und entschuldigt sich – laut und deutlich. Dass er für sich sprechen kann, hat er ja nun schon zweimal bewiesen. Es wäre eine schöne Geste, um auch der eigenen Erinnerung zu zeigen: Die gemeinsame Zeit war keine Lüge, sondern ehrlich gemeint. Denn letztlich habt ihr alle zusammen etwas an der Rampe erreicht. Auch wenn es nicht jeder nachvollziehen, oder wie Lothar als schön empfinden kann. Manchmal sprechen eben doch Bilder Bände.

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  • hallo Simone,

    das bild dürfte vom 23.03.2011 stammen. wer meinen YouTubeKanal besucht, bekommt vom selben tag ein video vorgespielt. dort und auf dem video vom 24.01.2011 sehr schön auch sein fahrzeug zu sehen…

    aber zum o.g. thema. damit ist eigentlich alles gesagt. eine wirkliche disskussion habe ich mit herrn L.E. aus K. bisher nicht führen können. man muss auch erkennen können, wenn begegnungen zu nichts führen.

    Gruß, Jason

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  • Gem. XN v. 27. Mai 2011: Künstler Lukas Loss distanziert sich von Never-Forget Reverse-Aktion

    Der Opferverein Never Forget e.V. hatte am 24.5.2011 die Arbeiten des künstlerischen Reverse-Entwurfes vom Künstler Lukas Loss im Tunnel beendet. Mit Sandstrahlgeräten wurden die Umrisse der dargestellten Personen bearbeitet.

    Der viel gelobte Entwurf des Künstlers, schemenhafte Menschenumrisse im Todestunnel künstlerisch darzustellen, werde in seinem Sinne durch Never Forget e.V. nicht mehr deutlich.

    Die Schatten hatte im Januar nicht Loss alleine angebracht, sondern überwiegend die NF-Leute. Insofern waren sie von Anfang an an der Umsetzung des künstlerischen Entwurfs beteiligt. Nun hat NF die bestehende Idee von Loss aufgegriffen und nach ihrem Budget weiter entwickelt – ganz im Sinne von Konzeptkunst, bei der die Ausführung des Kunstwerks von untergeordneter Bedeutung ist und auch nicht durch den Künstler selbst erfolgen muss. Im Vordergrund stehen Konzept und Idee, die für die künstlerische Arbeit als gleichwertig erachtet werden. Anstelle fertiger Bilder und Skulpturen treten in diesem Sinne Skizzen, Schriftstücke, Anleitungstexte oder unter Umständen Künstlerbücher, die eigene ästhetische Qualitäten entfalten, auf. Eines der Ziele ist die “Entmaterialisierung” des Kunstwerks und die Einbeziehung des Betrachters. Gewohnte Sichtweisen, Begriffe und Zusammenhänge der Welt werden hinterfragt, neue Regeln erfunden. Es wird mit Kontexten, Bedeutungen und Assoziationen gearbeitet.

    Theoretiker der Konzeptkunst sind Mel Bochner, Sol LeWitt, Art & Language, Joseph Kosuth und Victor Burgin. Ein künstlerisches Vorbild dieser Bewegung war Marcel Duchamp. Er grenzte seine Kunst von „retinaler Kunst“ ab, die überwiegend (beispielsweise effekthascherisch) auf das Auge einwirkt, statt als Vorstellung oder Verknüpfung von Bedeutung im Denken zu wirken. Dieser Ansatz lässt Konzeptkunst dem Laien oftmals elitär, spröde, und schwer zugänglich erscheinen. Manches Werk der Konzeptkunst erschließt sich erst durch die Auseinandersetzung mit dem Künstler und seinem Denken.

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