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2. Advent – Der kleine Flori und der Nikolaus

Der kleine Flori war vom ersten Schultag an ein ganz schlimmer Schlamper. Dauernd ließ er irgend etwas im Schulzimmer liegen, die Mütze oder seine Handschuhe, die Fibel, das Rechenbuch, die Tafel, ein Heft oder das Federmäppchen. Ja, manchmal vergaß er sogar alles miteinander und lief mit leerem Schulranzen heim. Und es kam noch schlimmer: Eines Nachmittags nämlich, als Flori die vergessene Fibel holen wollte, lag sie nicht mehr auf seiner Bank; Flori suchte und suchte, aber die Fibel war wie weggeblasen. Am nächsten Tag konnte Flori das Rechenbuch nicht finden, am übernächsten Tag war die Tafel fort. Das war kurz vor dem Nikolaustag, und die Mutter meinte: “Ich glaube, diesmal bringt der Nikolaus höchstens eine Rute.”

Aber das glaubte der kleine Flori auf keinen Fall. In den vergangenen Jahren war der heilige Nikolaus immer nett zu ihm gewesen, obwohl er schon damals herumgetrödelt und nie aufgeräumt hatte. Sicher würde der Nikolaus auch in diesem Jahr nichts von der Schlamperei gemerkt haben und wieder die guten Mandellebkuchen mitbringen, die Flori so gerne aß und die nur der Nikolaus hatte.

Ja, und dann kam er, der Nikolaus! Er pochte laut an der Tür und stapfte herein in seinem roten Mantel und mit der Bischofsmütze aus Gold. Auch einen vollen Sack hatte er dabei, an welcher Stelle wohl die Lebkuchen für ihn stecken mochten? Aber der Nikolaus machte gar keine Anstalten, Lebkuchen aus dem Sack zu holen. Er schaute den Flori mit gerunzelter Stirn an, so streng wie er noch nie ausgesehen hatte.
- “Warst du auch brav, Flori?”
- “Ja”, sagte Flori schnell, obwohl er natürlich genau wußte, dass das nicht ganz stimmte.
- “So, so”, brummte der Nikolaus, “brav warst du? Und immer recht ordentlich? Und du hast nie etwas verschlampt oder vertrödelt?”
O weh! Jetzt sagte der kleine Flori gar nichts mehr. Ob der Nikolaus doch etwas wusste? Floris Herz fing laut zu klopfen an
- “Was meinst du wohl, was ich dir mitgebracht habe?” fragte der Nikolaus und griff nach seinem Sack.
- “Ma-Ma-Mandellebkuchen”, stotterte Flori.
Aber der Nikolaus schüttelte seinen Kopf.
- “Für Mandellebkuchen war im Sack kein Platz mehr”, sagte er, “weil ich doch so viele andere Dinge für dich einpacken mußte. Hier, dies zum Beispiel…” Und was holte er aus dem Sack? Die Fibel!
- “Und dies…” Das Rechenbuch! “Und das…” “Und das…” Die Tafel, Floris Pudelmütze, den linken Handschuh, die Bastelschere, drei Bleistifte, eine Schachtel Malkreide – eins nach dem anderen holte der Nikolaus hervor. Nur kein Paket Mandellebkuchen, nicht einmal ein einiges Stück!

- “Also dann bis zum nächsten Jahr, kleiner Flori”, meinte der Nikolaus freundlich. “Und wenn ich dann nicht soviel Trödelkram für dich mitbringen muß, hab’ ich auch sicher Platz für Lebkuchen.” Und er stapfte wieder aus der Stube hinaus.

Ja, da stand er, der Flori, und hatte nichts, überhaupt nichts vom Nikolaus bekommen! Eigentlich ist das eine traurige Geschichte.

Aber zum Glück geht sie gut aus! Weil nämlich der heilige Nikolaus wirklich von Herzen gütig ist und weil sich der kleine Flori von diesem Tag an große Mühe gab und fast gar nichts mehr verschlampte, lag in der Woche vor Weihnachten auf einmal eine bunte Schachtel im Briefkasten. “An den kleinen Flori” stand darauf.

Ihr könnt euch vielleicht schon denken, was sie enthielt! In der Schachtel waren die guten Mandellebkuchen, wie sie nur der Nikolaus hat!

von Irina Korschunow

Irina Korschunow (© vvb.de) Irina Korschunow wurde am 31. Dezember 1925 in Stendal geboren und aufgewachsen. Sie stammt aus einer deutsch-russischen Familie, studierte Germanistik in Göttingen und lebt heute in der Nähe von München. Vielen von ist sie bekannt als Autorin der ›Wawuschel‹-Bände bekannt. Für ihr Gesamtwerk erhielt sie die Roswitha-Gedenkmedaille, den Literaturpreis der Stadt Gandersheim. Irina Korschunow über ihr künstlerisches Selbstverständnis laut dtv:

»Autorin, ganz einfach Autorin. Unter anderem deshalb, weil dann den Leuten, die sich theoretisch mit mir zu befassen haben, die Einordnung meiner schreibenden Person leichter fiele. Denn es gibt von mir neben Büchern für Kinder auch Bücher für Erwachsene, Grund für mancherlei Schwierigkeiten offenbar. Als ›Kinderbuchautorin und Schriftstellerin‹ hat man mich schon bezeichnet, in säuberlichem Kästchendenken, und sogar hin und her überlegt, ob ich vielleicht ein bisschen schizophren sei. Worüber sämtliche Schichten in mir, das Kind, der junge Mensch, der ältere, immer ältere, all das, was sich so übereinander schiebt im Laufe eines Lebens, nun wirklich lachen mussten.«






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