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Albrecht Müller: Der falsche Präsident

Was Pfarrer Gauck noch lernen muss, damit wir glücklich mit ihm werden

Noch nie war ein Bundespräsident schon vor seiner Wahl so populär wie Joachim Gauck. Nach dem ungeeigneten Vorgänger hoffen viele jetzt auf den „richtigen“ Präsidenten. Warum dies nicht der Fall sein wird, haben wir in mehreren Artikeln zu Gauck und seiner Nominierung bereits dargestellt. Auch der Publizist Albrecht Müller teilt diese Hoffnung nicht. Denn Joachim Gauck nimmt die aktuellen, großen Bedrohungen unserer Freiheit nicht ernst genug: die Macht der Finanzwirtschaft, den Abbau der sozialen Sicherheit und die Erosion der Demokratie. Gaucks Botschaft klingt wie ein lautes „Empört Euch nicht!“ Damit ist er der falsche Präsident. Albrecht Müller zeigt, wie er doch noch der richtige werden könnte.


Der falsche Präsident

In nur neun Tagen hat Albrecht Müller dieses kleine Buch geschrieben, weil er den kommenden Bundespräsidenten in so mancherlei Hinsicht für gefährlich hält, allerdings ihm auch unterstellt, dass er ein bisschen zuhören kann und im Alter von 72 Jahren noch Positionen zu revidieren vermag. Deshalb der freundliche Untertitel „Was Pfarrer Gauck noch lernen muss, damit wir glücklich mit ihm werden.

Wo Joachim Gaucks Vorstellungen und Rolle problematisch sind, zum Beispiel:

  1. Er sieht nicht, dass unter dem Einfluss der neoliberalen Ideologie die Systemveränderung, vor der er ständig warnt, schon eingetreten ist. Zerstörerisch und menschenverachtend ist sie. Gauck findet nahezu alles gut und lässt sich in Position gegen jene bringen, die sich empören. Seine Botschaft ist Empört euch nicht! Damit bricht er dem aufkeimenden Protest die Spitze ab. (Dazu siehe auch hier)
  2. Gauck glaubt in fast schon naiver weise an die Weisheit der „Märkte“. Von den Not-wendigen Regeln weiß er wenig.
  3. Wie sehr die Macht der Finanzwirtschaft schon die von ihm bewunderte Demokratie aushebelt, blendet Gauck aus.
  4. Er hat ein sehr enges Verständnis von Sozialstaatlichkeit und hat auch nicht in sich aufgenommen, welche große Bedeutung die soziale Sicherheit für das Erlebenkönnen von Freiheit hat.
  5. Dieses Defizit hat etwas damit zu tun, dass sich der kommende Bundespräsident offenbar nur sehr schlecht in die Lage von Menschen versetzen kann, denen es nicht so gut geht.
  6. Er redet immer den Schwachen ins Gewissen. – Wann stellt er sich erstmals gegen die Mächtigen, vielleicht sogar gegen den publizistischen Mainstream?
  7. Joachim Gauck neigt dazu, Popanze aufzubauen. Nicht jeder, der gegen die Spekulation auf den Finanzmärkten, gegen Klimawandel, gegen die weitere Nutzung der Atomenergie kämpft und sich grundlegende Gedanken macht, will die DDR wieder haben.
  8. Der kommende Präsident wird von der Beteiligung an Kriegen nicht abraten. Er pflegt tief sitzende Vorbehalte gegen die Friedensbewegung und andere Appeasement-Politiker. Das muss man aus der Lektüre seiner Texte leider schließen. Hier ist Revision besonders dringlich.
  9. usw. uwf.

Müllers 64 Seiten teilen sich daher wie folgt auf:

Inhaltsverzeichnis

Empört Euch nicht! Joachim Gauck – der Anti-Hessel 7
Der Beschöniger 13
Grob unterschätzt: Die Macht der Finanzwirtschaft 16
Die Freiheit des Einzelnen 22
Auch solidarische Risikovorsorge ist ein Kernelement der Sozialstaatlichkeit 24
Gauck warnt vor Systemveränderern und hat die neoliberale Systemveränderung nicht bemerkt 27
Gauck bewundert die Märkte 31
Ein bisschen ökonomisches Wissen wäre hilfreich 33
Im Zweifel für den Kriegseinsatz 34
Unverständnis für die Politik der alten Bundesrepublik 37
Die Verständigung mit dem Osten 38
Unausgegorenes zu den 68ern, zur Anti-Atom-Bewegung und den Wutbürgern 42
Der Präsident des Sowohl-als-auch 44
Joachim Gauck spaltet statt zu versöhnen 46
Der Demokratielehrer kennt sein Lehrbuch – kennt er auch die Realität? 50
Der TINA-Präsident 54
Wegbereiter für Schwarz-Grün 57
Nicht auf der Höhe der Zeit 59

Wenn Gauck nicht nur ein Präsident der Besserverdienenden sein will, dann muss er schnellstens versuchen, die Lebensverhältnisse der Mehrheit unseres Volkes besser kennenzulernen. Er wird Bundespräsident eines Landes mit über 800.000 Leiharbeitern, mit 1,36 Millionen sogenannten Aufstockern und unzähligen jungen Menschen, die sich von Praktikum zu Praktikum hangeln. Kann er deren Lebenswirklichkeit noch begreifen oder zieht er sich in die Kaste der unerreichbaren Politiker zurück?

Müller im Interview mit der Frankfurter Rundschau am 14. März 2012: [...] „Gauck ist eine Provokation für jene, die sich zugunsten der Verständigung zwischen Ost und West engagiert haben, übrigens auch zugunsten des DDR-Bürgers Gauck. Ich meine jene Menschen, die in der Politik, in den Kirchen, in den Medien die Vorarbeit für die Entspannungspolitik und damit auch für den Fall der Mauer geleistet haben: Gustav Heinemann, Willy Brandt, Egon Bahr, Herbert Wehner, Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Walter Scheel, Günter Gaus, Günter Grass und viele mehr. Gauck verdächtigt diese Menschen der Appeasement-Politik. Diese Unterstellung wie auch seine Kritik an der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze sind eine einzige Beleidigung der SPD und der damaligen FDP.” [...]

Menschen, die diesen doch sehr stark eingeschränkten Freiheitsbegriff Gaucks als einen erneuten Lallbackenalarm begreifen, versuchen auf Müllers Schnellerscheinung hinzuweisen, wo es nur irgend geht. So auch Sarah Wagenknecht am 15. März 2012 zum Thema “Die Präsidentenmacher – drei Tage vor der Wahl des neuen Staatsoberhaupts” in der ARD-Talkrunde mit Marianne Birthler, Verena Bentele, Jakob Augstein und Nikolaus Blom bei Beckmann:

Mit der Wahl dieses Konsenskandidaten zeichnet sich leider jetzt schon ab, dass die Chance darauf, dass der Bundespräsident eine kritische Instanz zu dem Parlament wird, dessen Gesetze er nun mal abzusegnen hat, nach wie vor fehlen wird. Schon allein darum empfiehlt es sich, dieses kleine Werk von Müller zu promoten: Damit man – und frau auch – weiß, dass die Freiheit, die er meint, nicht deine sein kann.

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Kommentare
  • [...] Linken-Chefin Lötzsch attackiert Merkel und Krets… Emotionen: 11* In Blogs gefunden: Albrecht Müller: Der falsche Präsident atasede StartseiteDenn Joachim Gauck nimmt die aktuellen großen Bedrohungen unserer Freiheit nicht ernst genug: [...]

  • Ja, Herr Müller, der Lernprozess setzt schnell ein, oder der Pastor weiß nicht, was er predigt, wenn er sagt:

    [...] Kurz vor seiner Wahl hat sich Gauck nun doch noch für einen Ausbau des deutschen Sozialsystems ausgesprochen. Als Vorbild nannte er in diesem Zusammenhang Dänemark. [...]

    Wenn Joachim Gauck das dänische Sozialsystem als Vorbild nennt und es damit wirklich ernst meint, dann müsste er der Politik während seiner Amtszeit hart zusetzen. Auf seiner Agenda sollten dann unter anderem die Abschaffung von Hartz-IV und die Wiedereinführung eines angemessenen Arbeitslosengeldes, die Erhöhung von Steuern und vor allem die Erhöhung des Spitzensteuersatzes, die Einrichtung eines kostenlosen Gesundheits- und Bildungssystems sowie die Einführung einer hohen staatlichen Grundrente und eines einheitlichen und gemeinschaftlichen Schulmodells stehen.

    http://jacobjung.wordpress.com/2012/03/21/danische-verhaltnisse-gerne-herr-gauck/

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  • Es ist nicht immer schön, wenn sich Vermutungen aus der Distanz heraus auch noch bewahrheiten. Während also der bayerische Bund der Steuerzahler gegen den ESM aufläuft, predigt unser Präsident Rettungsschirme…

    Häuptling großes Maul: Der Gauck unter den Präsidenten

    Uli Gellermann | 18. April 2012, 14:28 Uhr | Aktualisiert: 18.04.2012, 14:30

    Er platzt vor lauter Weisheit, der Pastor aus Rostock, der zur Zeit den Bundespräsidenten darstellt. Tiefe Kenntnisse der Weltökonomie haben ihn bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel als Fürsprecher diverser Euro-Rettungsschirme auftreten lassen.

    Gellermann zieht in o.a. Artikel das Fazit:
    [...]
    Noch keine 100 Tage im Amt und schon erhebt sich der Präsident über die Verfassung. Aber, obwohl der amtierende Präsident geschworen hat, seine “Kraft dem Wohle des deutschen Volkes” zu widmen und diesen Vorsatz mit der Eidesformel “So wahr mit Gott helfe” bekräftigte, ist im Falle Gauck die Hilfe von oben noch nicht eingetroffen.

    Komplett hier auf http://www.readers-edition.de nachzulesen.

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