01. Sep. 2010 – Sommerloch im vernetzten Raster
am 02. September 2010 unter BlogHystorie abgelegtMit knapp 4.000 Besuchern und 55.000 Seitenzugriffen können auch wir nicht von einem Sommerloch 2010 sprechen. War keiner im Urlaub? Ich dachte, nur wir hätten den einschließlich Lago großzügig umshiftet. Stattdessen lag die Priorität bei der Ursachenklärung und der weiteren Suche nach Opfern der diesjährigen Duisburger Loveparade. Zwischenzeitlich hat auch Herr Schaller als verunstaltender Veranstalter der Loveparade die gesamten Aufzeichnungen vor Ort installierter Überwachungskameras bis 16.40h auf seiner Seite online gestellt. Aufmerksame Beobachter wissen auch ohne Betrachten seines animierten Zusammenschnitts bzw. des ungeschnittenen Materials: Die Aufnahmen verraten uns rein gar nichts über Einsatzbefehle, Befehlsketten und das Hilfeersuchen des Veranstalters an die Polizei. Und während diese gravierende Frage seit Wochen offen bleibt, gedenkt “Duisburg” am 4. September 2010 den Opfern der Loveparade, Sauerland klebt förmlich am Stuhl und Schaller eröffnet neue Studios… Wir spielen also immer noch: das Desaster nach der Katastrophe. Die Krönung: Es erfinden kleine, miese Typen Freunde und Freundinnen, die sie auf der Loveparade verloren haben wollen, die aber realiter nie existiert haben. Womit wir dann schon wieder
a) bei Pisa wären: Sind unsere Sanitäter schon so blöde, dass sie nicht mehr bis paarundzwanzig zählen können?
b) bei den inhumanen Manieren der rechten Szene wären. Sie gehen über Leichen. Warum auch nicht? Unser Duisburger Sonntagsquartett tut’s ja auch. Und wie die Mutter von Giulia feststellt: bis heute ohne jegliche Konsequenzen.
Den kaiserlichen Status erreicht die Debatte dann, wenn man fragt: Wem gehört nun eigentlich das Asbest-verseuchte Gelände der LP? Hintergrund war, dass unsere FB-Gruppe sich gegen das Vorhaben der Stadt verwehren möchte, den Glascubus mit den Memorials im Bereich von Publikumsverkehr zu platzieren. Der Cubus sollte in der Nähe des Orts des Geschehens bleiben. Auf Anfrage hin teilte die Aurelis mit, dass die Firma Krieger aus Berlin der Eigentümer sei, was die Firma Krieger dementiert. Laut Medienberichten ist Kriegerbau der Eigentümer? Wie denn nun!?

Der Sumpf, in den sich diese Gesellschaft reinlaviert, ist ziemlich blickdicht. Da hilft auch keine Lenser mehr. Sei denn man greift die Vorschläge Kirsten Heisigs auf, zumindest wird sie im Netz gesucht. Im August steht sie bei uns an zweiter Stelle. Damit ihr Ruf nach Intervention nicht nur polarisiert und ungehört verhallt, hat ausgerechnet Thilo Sarrazin nachgelegt:
Angekündigt hatten Herder und Heisig das Werk als einen eher unspektakulären Erfahrungsbericht wiederkehrender Grundmuster von Gewalt unter Berücksichtigung der Situationen an Schulen, Jugendämtern und der Polizei. Heisig liefert Fakten und Lösungsvorschläge, wie z.B. die Vernetzung von Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt, Schulen, Behörden, Institutionen und Eltern funktionieren sollte. Dabei wirft sie auch einen vergleichenden Blick ins europäische Ausland. Was aber so nüchtern auf den Markt getragen wurde, schlägt dem Leser bitter ins Gesicht. Denn zwischenzeitlich erkennt selbst er, dass man nicht mehr in einer Großstadtmetropole dieses Landes wohnen muss, um “schleichende Brutalisierung” zu erfahren, es reicht schon das nähere Umland. 


Unter Mitwirkung von Laura Kröger, Franziska Hense, Stephanie Weisser, Jana Wagner, Alina Ostermann, Kaddy (alias Katharina Syttkus) als Leadsängerin und dem Hamburger Gitarristen

